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Es war am Vorabend des Nikolausabends. Der kleine Mönch hatte Pfortendienst. Als er aus dem Fenster sah, da bemerkt er, dass es schneite. Genüsslich trank er seinen Winterzaubertee und wartete. Auf den Nikolaus? Nein! Er wartete auf die Kinder aus der Nachbarschaft, denn es war schon Tradition, das sie am Vorband des Nikolaustages auf den Klosterberg kamen und mit frischen Printen und Spekulatius aus der Klosterbäckerei beschenkt wurden. Draußen wurde es langsam dunkel. Doch was war das? Hörte der kleine Mönche da nicht Stimmen? Richtig! Ein fröhlicher Gesang klang über den Klosterplatz immer näher zur Pforte her… „Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freuen!“ … Da kamen die Kinder der Nachbarschaft fröhlich durch den frischen Schnee gestapft. Was war das für ein großes „Hallo“ an der Klosterpforte! Denn durch den fröhlichen Gesang der Kinder waren auch einige Brüder herbei geeilt. Schnell wurde Tee ausgeschenkt und der große Plätzchenteller vom Küchenbruder gebracht. Die Kinder riefen: „Erzähl uns eine Geschichte, kleiner Mönch, bitte – bitte – erzähle schon!“ „Nun gut“, sagte der kleine Mönch, „ich will euch allen eine Nikolausgeschichte aus vergangenen Tagen erzählen.“ Und so begann er:

Es war einmal der Einsiedler Ruprecht, der lebte allein in seiner Klause nahe der alten Eiche im Klausenwald. Wie alle Einsiedler lebt er dort ganz für sich allein. Ora et labora – er arbeitete und betete. Damit er im Winter nicht verhungert musste, hat der den Herbst über Obst , Kartoffeln, Mähren und Kohl in seinem Waldgarten geerntet. Außerdem hat er viele Früchte, Pilze und Nüsse im Wald und auf den Feldern gesucht. Wenn es im Herbst und Winter kühl wird, wärmt sich Ruprecht gern an seinem Kamin auf. Holz hat er ja genug im Wald. Manchmal schläft er auch ein. Das passiert am Abend oft und so hat Ruprecht bisher jedes Jahr den Nikolaustag verschlafen. Er kennt ihn nur aus den Erzählungen der anderen Tiere – ja, denn stell dir vor: Ruprecht versteht die Sprache der Tiere, die aber nur in Advents- und Weihnachtszeit zu hören ist. Ruprecht möchte auch einmal den Heiligen Nikolaus sehen! Wenn er nur wüsste, wie er sich am Abend vor dem Kamin am besten wach halten könnte? „Klopf, klopf!“ Ruprecht schrickt auf. An der Tür seiner Klause klopft der Waldspecht. „Ach du bist es, alter Klopfer, ich dachte schon Sankt Niklas hat an meiner Tür geklopft!“ Der Specht antwortete: „Stimmt heute ist ja Nikolausabends!“ „Eiderderdaus, ob der heilige Nikolaus wohl doch schon da war?“, fragte Ruprecht besorgt. Da schüttelt der Sprecht den Kopf: „Aber nein! Aber nein! „Weißt du, wann er kommt?“, fragte Ruprecht. „Wenn es dunkel ist“, antwortet der Specht. Aber es ist doch schon fast dunkel denkt Ruprecht und verkriecht sich wieder in seiner Klause. Kurz darauf kommt ein Eichhörnchen zur Klause und schaut durch das Fenster herein. Ruprecht öffnet das Fenster und fragt: „Hast du den heiligen Nikolaus gesehen? Ich möchte ihn diesmal nicht verpassen. Ich verschlaf ihn immer!“„ Ich rufe dich, wenn er da ist“, sagt das Eichhörnchen und schwupp sprang schon wieder weiter in den frostigen Winterwald hinein. Oben in der alten Tanne sitzt die Eule. Sie hat alles gehört und blickt neugierig mit ihren Augen in den tiefen Wald. Ruprecht friert und geht an diesem Winterabend zurück in die Klause. Er setzt sich in d n Sessel vor den Kamin. Er kuschelt sich wieder in seine Wolldecke und schläft ein. Draußen wird es immer kälter und in dieser Nacht fällt der erste Schnee. In der Tanne kauert die Eule. Plötzlich spitzt sie die Ohren. Am Waldrand kann sie ein Licht sehen. Sankt Nikolaus kommt mit seinem Esel durch den Schnee gestapft. Bei jedem Schritt klingen die Glöcklein. Zuerst leise, dann immer lauter. Auf dieses Zeichen haben die Tiere im Wald gewartet und schnell eilen sie zur großen Tanne auf der Lichtung herbei. Der heilige Nikolaus ist da! Aus einem dicken Sack holt er Rüben, rote Äpfel und Brot hervor. Über die Gabe freuen sich die Tiere sehr. Dann geht der Nikolaus weiter und stapft mit seinem Esel durch den frischen Schnee. Bald war Sankt Nikolaus im Schneetreiben verschwunden. Da rief die Eule aus der Tanne: „Uhuu, Einsiedler Ruprecht, uhuu, wach auf, wach auf! Der heilige Nikolaus ist da. Ich zeige dir den Weg zu ihm.“ Ruprecht erwacht! Der Nikolaus ist da! Jetzt aber schnell, doch er hat ganz steife Beine. Er reckt und streckt sich in seinem Sessel. Er sieht kaum aus den Augen. Wie hat sich der Wald verändert! Doch was liegt da und da und dort im Schnee? Der ganze Weg war über und über mit Nüssen, Apfelsinen, Lebkuchen und kleinen Geschenken bedeckt. Hatte Sankt Nikolaus dies alles etwa für ihn dagelassen? Ruprecht wollte der Spur folgen. Nikolaus war auf seinem Weg ins Dorf. Es war ein weiter, beschwerlicher Weg. Als er jedoch am Dorfrand einen Blick in den großen Sack tat, war er ganz verdutzt. Eiderdaus! Der große Sack war leer, ganz leer. Es war ein Loch im Sack, so dass alle Nüsse, Äpfel und Päckchen in den Schnee geplumpst waren. Was soll er jetzt tun? Es war zu spät, um den langen Weg in den Wald zurückzulaufen. Der Schnee, der inzwischen gefallen war, hatte bestimmt alles zugedeckt. Verzweifelt setzte sich sankt Nikolaus auf seinen Schlitten. Da sah er am Horizont eine Gestalt in einem Mönchsgewand mit einem großen Sack auf dem Rücken auftauchen. Welch frommer Bruder mochte noch um diese Zeit im tiefen Schnee unterwegs sein? Sankt Nikolaus hörte die Stimme des Mannes nach ihn rief: ,, Sankt Nikolaus, Nikolaus! Warte, warte!“ Es war der Einsiedler Ruprecht! Er war Sankt Nikolaus gefolgt und hatte alles zusammengesucht und in einen Sack gepackt. Sankt Nikolaus umarmte ihn und fragte: ,, Wie kann ich dir bloß danken, lieber Bruder? Wie heißt du eigentlich? “Ich bin der Klausner Ruprecht, ein braver Knecht Christi.“ „Auf einen Gehilfen wie dich habe ich schon lange gewartet. Ruprecht, möchtest du mich zu den Kindern begleiten?“ fragte der heilige Bischof von Mayra. Und ob Ruprecht wollte! Seine Augen leuchteten vor Freude. Und seit dem klopften die beiden gemeinsam am Nikolausabend an die Türen an – als Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht!

(Br. Benedikt Müller OSB)