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Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes: Der Himmel ist tiefgrau verhangen, es regnet in Strömen. Doch da geschieht etwas: Die Sonne durchstößt plötzlich die dichte Wolkendecke, es wird hell, ein Regenbogen entsteht, glitzert verzaubernd in den schönsten Farben. Welch ein fantastischer Anblick! So ist es oft im Leben: Du musst harte Zeiten durchleben, um ein Ziel zu erreichen und glücklich zu sein. Aber wenn es bewölkt ist, ist die Sonne nicht weg – sie ist bloß hinter den Wolken. Wenn dein Leben trist ist, ist deine Lebensenergie nicht weg – sie wartet nur darauf, von dir neu genutzt zu werden.  So wie dich der Regenschirm vor schlechtem Wetter schützt, kannst auch du dir einen inneren Schutzschild bauen, in der Gewissheit: Alles im Leben hat seine Zeit. Gott will, dass du fröhlich lebst und deshalb hat er viele Regenbogen-Momente geschaffen: Auf Regen folgt Sonnenschein, auf Trauer folgt Glück, auf den Tod folgt das ewige Leben. Dank dieser Gewissheit brauchst du im Leben niemals aufgeben, sondern kannst immer weitergehen – auch im Regen.

(Daniel Griese und Br. Benedikt Müller OSB)

Die Erde. Unsere Erdkugel. Eine Hand voll Erde. Achtlos weggeworfen. Aus der Wohnung gekehrt. Nur, weil sie so unansehnlich braun ist? Dabei entsteht aus ihr die ganze Schöpfung, alles Leben in der Natur. Aus der braunen Erde entstehen Bäume, Sträucher, Gräser und Blumen in den vielfältigsten und schönsten Farben. Und die wollten wir behandeln wie Dreck? Häufig braucht es einen zweiten Blick, um das Wunderbare zu entdecken. Wie oft verurteilen wir Menschen nur nach dem ersten Eindruck, nach ihrem Äußeren? Dabei steckt in jedem Menschen, in jedem von uns Gott. Gott hat uns als sein Ebenbild geschaffen – genau wie er die ganze Schöpfung geformt hat. In der Natur steckt die göttliche Kraft, die Grünkraft. Dank ihr können wir auf dieser Welt leben, dank ihr ist unser Leben von bunten Farben bestimmt. Eine Hand voll Erde. Unser Ursprung. Unsere Kraftquelle.

(Daniel Griese und Br. Benedikt Müller OSB)

Ich habe dich an deiner Hand gefasst und dich behütet

Sei ohne Angst, denn ich bin mit dir,

Ich habe dich erwählt, ich bin immer bei dir

Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist

Ich habe dich im Schoss deiner Mutter wunderschön gebildet

Und ich liebe dich mit meiner ewiger Liebe

Ich hüte dich, wie den Stern meines Auges

Ich berge dich im Schatten meiner Flügel

Du bist kein Fehler, du bist mein kostbarer Einfall

Fürchte dich nicht, ich bin immer da für dich

Ich trage dich nahe an meinem herzen

Wohin du gehst, dahin gehe auch ich,

Und wo du bleibst, da bleibe auch ich

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Das deutsche Wort „Segen“ ist abgeleitet vom lateinischen „signare“. Das heißt übersetzt: „etwas bezeichnen (mit)“ und meint im christlichen Sinne zumeist einen Segen in Verbindung mit dem Kreuzzeichen. So segnen beispielsweise Eltern ihre Kinder, indem sie ihnen mit der Hand ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Der Segen meint inhaltlich den Wunsch und die Bitte, dass Gott segnen möge. Dieser Wunsch und die Segensbitte werden häufig auch in der Form eines Zuspruchs formuliert. Es wird auf diese Weise deutlich, dass der erbetene Segen von Gott kommt. So heißt es beispielsweise im Jakobusbrief: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab.“ (Jak 1,17)

Im Alten Testament sind es meist der Segen über Abraham („Ich will segnen, die dich segnen“, Gen 12,3) und der sogenannte „Aaronitische Segen“ (Num 6,24-26), die den Segen theologisch begründen. Entscheidend ist, dass der Segen nicht vom Spender abhängig ist, also von demjenigen, der „segnet“. Sondern der Segen macht durch die Segenszusage und durch eine entsprechende Segenshandlung wie etwa das Kreuzzeichen nur auf den Segen aufmerksam, der ohnehin schon von Gott her gegeben ist. Es ist gewissermaßen nur ein nach außen und nach innen hin Offenbar-Machen des Segens, der von Gott her zugesprochen wird. Der oder das Gesegnete wird auch nicht in seinem Wesen verändert, sondern die Bezogenheit auf Gott hin wird deutlich gemacht. Wenn daher einem Menschen ein Segen zugesprochen wird, wird er als ein von Gott gesegneter und von Gott bejahter und geliebter Mensch betrachtet und dies ins Bewusstsein gehoben.

Ein anderes lateinisches Wort für „segnen“ ist „benedicere“. Das heißt übersetzt „etwas Gutes sagen“ und bezieht sich biblisch gesehen auf die Gutheißung Gottes seiner Schöpfung gegenüber: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (Gen 1,31) Indem offenbar gemacht wird, dass alles von Gott Geschaffene unter seinem Segen steht, können Menschen daher auch einander diesen Segen zusprechen. Von daher kann auch jeder Getaufte „segnen“ und alle Menschen können einander Segen sein und sich Gottes Segen zusprechen.

Br. Vincent Grunwald OSB, Diakon

Wie reagieren die Mönche der Abtei, wenn Paare um einen Segen bitten?

Menschen bitten mit ganz unterschiedlichen Anliegen um einen Segen, so auch Paare (z.B. Ehejubilare, Eheleute nach Krisenzeiten, eher selten Männer oder Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft). Wenn ein Mönch angefragt wird, überlegt er mit den Beiden eine für ihre Situation passende Form. Sie kann persönlich gestaltet sein, es gibt aber auch offizielle oder andere Vorschläge.

Wird da sortiert und werden gleichgeschlechtliche Paare wieder nach Hause geschickt?

Ein gleichgeschlechtliches Paar wird keineswegs einfach nach Hause geschickt, sondern zum seelsorglichen Gespräch mit einem der Mönche eingeladen. Entweder kennen die Beiden schon jemand von uns oder wir fragen einen Mitbruder. Er überlegt mit dem Paar, wie der Segen Gottes am besten in ihre Lebenssituation hinein vermittelt werden kann. Eine Form dafür ist nicht vorgegeben. Sie sollte in jedem Fall authentisch sein.

Hilfreich zum Verständnis von Segen in der aktuellen Debatte ist, was der Wormser Domprobst Tobias Schäfer auf Facebook schreibt: „Segen ist doch kein Instrument für moralisches Urteil! Sondern die Zusage, dass Gott da ist, dass er mit uns geht. In guten wie in schweren Stunden. Was für eine Hybris zu glauben, wir müssten Gott vor mutmaßlich sündigen Situationen schützen; wir müssten den Segen Gottes schützen, dass er ja nicht die ‚Falschen‘ erreicht.“

Marian Reke OSB, Ansprechpartner der Abtei Königsmünster für seelsorgliche Anfragen

Das Wort „Segen, segnen“ kommt vom lateinischen „benedicere“ (daher kommt das Wort „Benediktion“) – was wörtlich „Gutes sagen, gutheißen“ bedeutet. Grundgelegt ist der Segen schon auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift. Im ersten Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,4) heißt es nach jedem Schöpfungstag: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Gott bezeichnet seine Schöpfung als gut, er heißt die belebte und unbelebte Natur gut. Und bei der Erschaffung des Menschen heißt es sogar: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (Gen 1,31) Gott segnet seine Schöpfung und ganz besonders den Menschen. Mit dem Segen überträgt Gott dem Menschen gleichzeitig aber auch eine Aufgabe – den Auftrag, die Schöpfung Gottes, die Natur zu pflegen. Weil die Natur von Gott selbst gesegnet ist, soll der Mensch ihr zum Segen werden. Wichtig ist die Reihenfolge: Zuerst steht der Segen Gottes – die Gabe an seine Schöpfung, das Geschenk. Daraus folgt erst die Aufgabe, der Auftrag.

Ganz ähnlich ist das bei Abraham: Mehrmals segnet Gott den Abraham, bevor er ihm sagt: „Du sollst ein Segen sein.“ Wir Menschen können nur dann anderen ein Segen sein, andere segnen, weil wir selbst zuvor Gesegnete sind, mit Gottes Segen beschenkt. Gott ist der eigentlich Segnende – der Mensch sagt anderen den Segen Gottes, der schon längst ergangen ist, zu.

Deswegen kann der Segen auch keine Zugangsbeschränkungen haben – denn wenn wir schöpfungstheologisch denken, also von der Schöpfung her, die Gott ausnahmslos gesegnet hat, dann dürfen wir davon niemanden ausschließen – erst recht nicht den Menschen, der ja als „sehr gut“ bezeichnet wird. Wenn wir bis heute Gegenstände segnen, dann müssen wir auch den Menschen segnen bzw. ihm den Segen Gottes zusagen.
Das Alte Testament erzählt im Grunde nichts Anderes als die Geschichte des Segens Gottes. Theologisch wird hier vom „Bund“ gesprochen, den Gott mit dem Volk Israel schließt. Gott erwählt sich aus allen Völkern ein Volk – Israel, übrigens damals ein ziemlich kleines Volk, das im Lauf der Geschichte oft zum Spielball großer Mächte und Weltreiche geworden ist – um so exemplarisch zu zeigen, dass er es gut mit den Menschen meint.
Gott bleibt seinem Segen, seinem Bund treu. Es ist oft der Mensch, der untreu wird, der fremden Göttern nachläuft, seine „erste Liebe“, den Gott Israels, vergisst. Deshalb sendet Gott immer wieder Menschen, die sie an den einmal geschlossenen und von Gott nie aufgekündigten Bund erinnern – die Propheten. Und als all das nichts zu bringen scheint, die Menschen sich immer wieder von ihm abwenden, sendet er sogar seinen Sohn, Jesus, um das Bundesangebot Gottes zu erneuern und zu besiegeln – mit seinem Blut, das er am Kreuz für uns vergossen hat.

Was man aus diesem Schnelldurchlauf durch die Geschichte Gottes mit den Menschen lernen kann? Vor allem dies: Wir sind und bleiben Gesegnete. Gutgeheißen, wertgeschätzt, geliebt – vor aller menschlicher Leistung. Egal, wie oft wir dieses Angebot ausschlagen. Daran erinnert uns übrigens auch unser Ordensvater, der hl. Benedikt – sein Name bedeutet wörtlich „der Gesegnete“. Daraus folgt das Zweite: Wir sind dazu berufen, einander Segen zu sein, einander den Segen Gottes zuzusprechen.

P. Maurus Runge OSB